Budweiser in aller Munde

Budweiser-Werbung Super Bowl LIUnternehmen stehen mit ihrer Kommunikation zunehmend vor einem Dilemma: Einerseits verstehen sie, dass sie ihre Interessenten oft nur noch erreichen, wenn sie gute Geschichten erzählen, denn Wischiwaschi-Marketing-Gelaber langweilt die Kunden. Andererseits fürchten die meisten Geschäftsführungen jede Andeutung von Misserfolg oder Schwierigkeiten wie die Pest. Leider funktioniert es das eine nicht ohne das andere: „Es gibt keine Geschichte ohne die negative Seite des Lebens“, erklärt der Hollywood-Guru des Drehbuchschreibens, Robert McKee, der mittlerweile auch zahlreiche Unternehmen beim Storytelling berät.

Diese These wird aktuell auf ganz ungewöhnliche Weise untermauert. Die Firma Anheuser-Busch InBev hat anlässlich der Super Bowl einen Werbespot für die Biermarke Budweiser gedreht und ist dabei ungewollt in eine Kontroverse rund um Immigration und Terrorismus geraten. Das ist das Letzte, was ein Marketingverantwortlicher zurzeit freiwillig anstreben würde, aber allem Anschein nach zahlt sich der Mut, den Spot dennoch zu veröffentlichen, aus.

Hier der einminütige Film, der während des Football-Endspiels gezeigt wird, aber auch bereits Tage vorher im Internet zu sehen war:

Gezeigt wird die Geschichte von Firmengründer Adolphus Busch, der als deutscher Immigrant nach Amerika kam und vom Aufbau einer Brauerei träumte. Eigentlich wollte das Unternehmen damit traditionelle Werte wie Mut, Entschlossenheit, harte Arbeit und die Verwirklichung des amerikanischen Traums demonstrieren. Da eine gute Geschichte jedoch Hindernisse und Widrigkeiten benötigt, wird im Film auch die Fremdenfeindlichkeit angedeutet, der sich der Firmengründer auf seiner Reise ausgesetzt sah.

Zum Zeitpunkt der Produktion ahnten die Macher des Videos nicht, dass sie damit ein Thema aufgreifen, das gerade in dieser Woche besonders brisant ist: Präsident Trumps höchst umstrittenes Einreiseverbot für Menschen aus verschiedenen muslimischen Ländern wird aktuell vor Gerichten und an den Flughäfen ausgefochten.

Vor diesem Hintergrund wirkt das Werbevideo wie ein politisches Statement. Dafür gibt es extrem viel Aufmerksamkeit und auch sehr viel Lob:

Eingefleischte Trump-Fans und rechtsradikale Kreise rufen allerdings zum Boykott der Marke Budweiser auf, weil sie in dem Video einen Affront sehen.

Eins ist unterdessen klar: Hier wird eine Geschichte auf mehreren Ebenen erzählt und das Unternehmen scheut vor der Kontroverse nicht zurück. Die Aufmerksamkeit ist ihm gewiss; vermutlich auch das Wohlwollen der Mehrheit aller Amerikaner – sowie nicht zuletzt der internationalen Kundschaft von Anheuser-Busch InBev. Das Unternehmen hat plötzlich eine Menge an Profil gewonnen.

Welche finanziellen Auswirkungen all dies auf die Marke Budweiser haben wird, bleibt abzuwarten. Die Geschichte bleibt spannend:

Nachtrag vom 08.02.2017:
Der Werbeeffekt scheint dauerhaft zu sein. Sogar ein Nobelpreisträger ändert seine Meinung zu Budweiser. Auf diesen Tweet…

… antwortet er:

Das darf man wohl als Kompliment werten… Ebenso wie diesen Tweet von Ana Navarro:

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