Die unendliche Geschichte erzählen

Unternehmensgeschichte erzählenMassenmedien verlangen abgeschlossene Geschichten. Am besten mit einem dramatischen, klar definierten Ende: Zwei Parteien kämpfen, eine gewinnt, eine verliert. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den nächsten Konflikt.

Dieses Prinzip greift nicht nur in der Politikberichterstattung (die wahrlich Nützlicheres zu leisten hätte): Merkel gegen Steinbrück, Grüne gegen CSU, Piraten gegen Piraten. Es funktioniert genauso in den Wirtschaftsressorts der Medien: Apple gegen Google, China gegen Deutschland, Arbeiter gegen Aktionäre.

Gesellschaftlich betrachtet ist es äußerst beklagenswert, dass die meisten Medien kaum noch andere Strickmuster finden, um ausreichend Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Aber so ist es nun mal. Damit müssen wir bis auf weiteres leben.

Zwei Lehren für Unternehmen

Für Unternehmen, die etwas vom Aufmerksamkeitskuchen abhaben möchten, ergeben sich daraus zwei Lehren. Zum einen: Wer in die klassischen Medien möchte, sollte nach Möglichkeit abgeschlossene Geschichten parat haben: Konflikt, Lösung, Ergebnis. Wenn es geht, sollte auch noch eine böse Macht im Spiel sein, die bekämpft und besiegt wird.

Nun ist ein Unternehmen allerdings keine abgeschlossene Geschichte. Wie Kevin Kelly, der Mitgründer des Magazins „Wired“, in seinem Buch „What Technology Wants“ treffend schreibt, geht es im Leben üblicherweise darum, so lange wie möglich im Spiel zu bleiben. Auch in der Wirtschaft gilt: Entscheidungen sind grundsätzlich dann gut, wenn sie die Optionen für die Zukunft vergrößern, nicht dann, wenn sie die Möglichkeiten einschränken.

Kelly nennt als Beispiel den Krieg – ein wunderbares Thema für Medien, allerdings nur, wenn er sich nicht allzu lange hinzieht. Ein zeitlich begrenzter Konflikt wie der Falkland-Krieg oder der sogenannte Zweite Golfkrieg 1991 waren ideal für die maximale Aufmerksamkeitsspanne, die Redaktionen ihren eigenen Kunden zutrauen.

Der Frieden ist dagegen (im Idealfall) eine unendliche Geschichte. Es wird immer mal wieder miteinander gesprochen, verhandelt und „Wirtschaft betrieben“. Keine leicht zu verkaufende Story.

Die zweite Lehre für Unternehmen besteht daher darin, dass sie diese unendliche Geschichte – ihre eigene Geschichte – selbst erzählen müssen. Die lokale Tageszeitung interessiert sich nicht dafür.

Selbst publizieren

Eine unendliche Unternehmensgeschichte besteht aus vielen kleineren und größeren Elementen, die auf vielfältigste Weise erzählt werden können. Neue Aufträge, neue Mitarbeiter, neue Produktionsverfahren, aber auch alte Aufträge, alte Mitarbeiter und alte Produktionsverfahren – ein Blick zurück kann viel über die Zukunft aussagen.

Wen das interessiert? Alle, die sich beispielsweise auf der Website über ein Unternehmen informieren möchten. Dazu sind sie ja gekommen.

Die einfachste Publikationsform, um dauerhaft am Ball zu bleiben, ist ein Firmenblog. Dort können Texte, Fotos, Videos oder Grafiken mit geringem Aufwand publiziert werden. Es kostet – wie alle Marketingmaßnahmen – etwas Zeit, aber es lohnt sich.

Wer sich ärgert, dass seine örtliche Zeitung ihn mit Missachtung straft, sollte darüber nachdenken, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Die Tage der meisten gedruckten Zeitungen sind ohnehin gezählt. Wer die unendliche Geschichte erzählen möchte, sollte nicht auf sie setzen.

Bild: mashabuba/iStock

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