Diversity als Vorteil in der Unternehmenskommunikation

Diversity-BaumWährend in Deutschland weiter über Frauenquoten in Vorständen und Aufsichtsräten diskutiert wird, haben Studentinnen der University of Nevada, Las Vegas, sich mal die einflussreichste Zeitung ihres Landes angeschaut und hinterfragt, inwiefern dieses Medium zur Zementierung der Aufgabenverteilung von Frauen und Männern beiträgt. Das Ergebnis: Die New York Times, die bei vielen Konservativen als zu „liberal“ gilt, bietet auf der Titelseite nur sehr wenig Platz für Frauen. 

Die Studentinnen haben im Januar und Februar 2013 insgesamt rund 350 Artikel untersucht, die auf der Seite 1 der NYT erschienen. Darin wurden Männer 3,5 Mal häufiger zitiert als Frauen.

Die Gründe dafür können vielfältig sein. Der Naheliegendste ist natürlich, dass Führungspositionen immer noch weit überwiegend von Männern besetzt werden, und in Zeitungsartikeln werden nun mal hauptsächlich Führungskräfte zitiert. Allerdings fanden die Studentinnen heraus, dass die Schere weiter auseinander klaffte, wenn nur die Texte von männlichen Autoren berücksichtigt wurden. Weibliche Journalistinnen schaffen es also offenbar häufiger, zitierbare weibliche Führungskräfte ausfindig zu machen.

Als weiteren Grund nannten die Studentinnen die Möglichkeit, dass Männer eher mal „Ich!“ rufen, wenn jemand gesucht wird, der mit den Medien spricht. Diese Vermutung ist nicht belegt, klingt aber plausibel: Im Durchschnitt sind Frauen vielleicht etwas zurückhaltender in Sachen Selbstdarstellung – oder sie wählen andere Methoden.

Mehr Aufmerksamkeit durch Abwechslung

Wie dem auch sei: In alledem liegt eine Chance für Unternehmen, die sich – in Form von Pressearbeit oder mit Hilfe anderer Marketingmittel – in der Öffentlichkeit präsentieren möchten. Redaktionen sind sich der Problematik, die mit Sicherheit nicht auf die New York Times beschränkt ist, oft zumindest teilweise bewusst. Sie sind häufig ganz angetan, wenn man ihnen – besonders in den Bereichen Wirtschaft und Technologie – eine Frau als Ansprechpartnerin präsentiert. Das kann einer Geschichte zu mehr Platz verhelfen.

Ähnliches gilt auch für viele Kunden. Eine gewisse Abwechslung ist immer gerne gesehen, deshalb sieht man in TV-Shows sehr selten ein Moderationsteam aus zwei Männern oder zwei Frauen. Aber auch alle anderen Formen von „Diversity“ können sich im Außenauftritt bewähren – schwarz und weiß, groß und klein, dick und dünn, was auch immer, solange der Kontrast nicht unfreiwillig komisch wirkt.

Selbstverständlich hat die Vielfalt dort ihre Grenzen, wo es unglaubwürdig wird. Wer beispielsweise amerikanische Foto-Datenbanken nutzt, wühlt sich oft durch Berge von Bildern, auf denen Menschen aller Hautfarben gleichmäßig repräsentiert sind. Das ist nett gemeint, spiegelt aber nicht ansatzweise die deutsche Realität wider und wirkt damit eher unangenehm aufgesetzt. Auch wenn man sich mit seinem Produkt oder seiner Dienstleistung fast ausschließlich an Männer richtet, hat es recht wenig Sinn, auf Krampf immer wieder Frauen in Szene zu setzen. Das ist dann einfach nur schlechtes Marketing.

In allen anderen Fällen gilt aber: Überlegen Sie mal, ob Ihr Unternehmen nicht häufiger von anderen Menschen nach außen dargestellt werden kann als von den üblichen weißen Männern. Und zwar nicht nur dann, wenn es auf gutes Aussehen ankommt.

Bild: cienpies/istockphoto

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