Google rückt dem Pressemitteilungs-Spam zu Leibe

Google killt Pressemitteilungs-SpamDie Pressemitteilung macht seit einigen Jahren einen ähnlichen Wandel durch wie die gesamte Nachrichtenbranche: erst wurde sie digitalisiert, dann totgesagt, und schließlich einem ganz anderen Zweck zugeführt.

Zur Erinnerung: Eigentlich wurde dieses Instrument einst geschaffen, um Redaktionen auf berichtenswerte Ereignisse aufmerksam zu machen. Seit einiger Zeit sinkt aber die Zahl der unabhängigen Publikationen, der Redakteure und der zu füllenden Seiten – und zwar dramatisch. Gleichzeitig gibt es immer mehr Unternehmen und Organisationen, die Gehör finden möchten. Ein Problem. 

Pressemitteilungen als Treiber für das Google-Ranking

Die PR-Branche behilft sich nun also mit Online-Portalen. Diese haben keinerlei Platzprobleme und bieten den Agenturen die Möglichkeit, eine Erfolgsmeldung an ihre Auftraggeber zu schicken: Schaut mal, die Pressemitteilung wurde veröffentlicht!

Da aber selbst die guten Online-Portale immer noch ein schlechteres Image haben als die miesesten Print-Publikationen, wird mit einem Mehrwert argumentiert: dem Link. Denn inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Links die wichtigste Währung des Internets sind und sie einen erheblichen Einfluss auf das Google-Ranking haben. Und darauf sind dann doch alle scharf.

Die Idee lautete also: Je häufiger eine Pressemitteilung im Internet mit den entsprechenden Backlinks auf die eigene Website veröffentlicht wird, desto besser das Ranking.

Texte mit Links gespickt

An dieser Rechnung war schon immer einiges falsch – unter anderem deshalb, weil viele der genutzten Portale reine Text-Müllhalden sind und selbst überhaupt keine Wertschätzung bei Google genießen. Diese ist aber notwendig, damit der Link von dort auf die eigene Website einen nennenswerten Effekt auf das Ranking hat. Eine echte Leserschaft haben diese Portale in der Regel auch nicht, selbst wenn sie versuchen, das vorzugaukeln (es sollte stutzig machen, wenn man wenige Sekunden nach der Veröffentlichung eines Beitrags bereits Hunderte von Facebook-Likes angezeigt bekommt).

Der Trend ging zuletzt aber nicht mehr nur zum klassischen Verlinken der eigenen Homepage („Weitere Informationen unter www.firmenname.de“), sondern zum üppigen Verlinken einzelner Textbausteine. Grundsätzlich ist das auch eine kluge Taktik: Wenn beispielsweise die Worte „Hanf-Nudeln nussig“ mit einem Link zum Hanf-Shop hinterlegt sind, bringt das – zumindest gemäß der aktuellen Suchmaschinenoptimierungs-Lehre – für das Ranking bei diesen Keywords mehr als ein verlinktes „Klicken Sie hier, um mehr über unsere nussigen Hanf-Nudeln zu erfahren“.

Strafe für „unnatürliche Links“

Die Meute aus Werbern, PR-Leuten und Internetdienstleistern hat es aber mal wieder maßlos übertrieben. Die Pressemitteilungen wurden nicht nur in jeden verfügbaren Online-Kanal geschleudert, sondern auch noch mit verlinkten Suchbegriffen gespickt. Davon hat Google jetzt die Nase voll. Wer’s übertreibt, wird bestraft.

Die Suchmaschine hat ihre Richtlinien kürzlich dahingehend geändert, dass Textlinks in Pressemitteilungen nun als „unnatürliche Links“ behandelt werden können. Sie können also als Verstoß gegen Googles Richtlinien gewertet werden. Welche Konsequenzen das für die verlinkte Website hat, hängt wohl von der Schwere des Vergehens ab, aber klar ist: diese Pressemitteilungen sind dann zumindest wirkungslos.

Guestblogging auch im Visier

Gleiches gilt für den Missbrauch des sogenannten „Guestblogging“. Dieser Trend ist in Deutschland in seiner positiven Form noch gar nicht richtig angekommen – er besteht hauptsächlich darin, dass Autoren ab und zu auf fremden Websites Beiträge veröffentlichen, um sich und ihr eigenes Blog bekannter zu machen.

Die Internetdienstleister haben natürlich auch dies als Chance erkannt und zahllose Pseudo-Blogs aufgesetzt, in denen sie belanglose Artikel über die wichtigen Themen ihrer Kunden veröffentlichen – selbstverständlich üppig bestückt mit den oben beschriebenen Textlinks. Auch dies will Google jetzt verstärkt ahnden.

Beste Taktik: Gute Inhalte anbieten

Das Unternehmen hält sich wie üblich bedeckt, wenn es darum geht, genaue Vorgaben zu machen (und zwar aus gutem Grund: Wenn es hieße, zwei Textlinks pro Pressemitteilung sind okay, hätten in Zukunft alle Pressemitteilungen exakt zwei Textlinks). Man kann also davon ausgehen, dass ein gelegentlicher Link weiterhin mehr Vor- als Nachteile hat, sofern er sinnvoll eingefügt ist und dem Leser nützt.

Und darin liegt auch das grundsätzliche Geheimnis der Suchmaschinenoptimierung: Mittel- und langfristig ist man am besten aufgestellt, wenn man den Nutzen für die Besucher der eigenen Website maximiert. Googles Ziel ist es nämlich, seinen Nutzern die bestmöglichen Ergebnisse zu präsentieren. Manipulierende Taktiken helfen zwar, eine Website vorübergehend in den Rankings nach oben zu pushen, früher oder später kommt Google solchen Tricks aber immer auf die Schliche. Und dann geht’s dramatisch abwärts. Das ist schon vielen Sites so ergangen.

Für die hauptberuflichen Suchmaschinenoptimierer und Link-Builder ist es also mal wieder Zeit, Ausschau nach der nächsten manipulativen Taktik zu halten. Alle anderen sollten sich darauf konzentrieren, nützliche Inhalte zu erstellen, die die Welt voranbringen. Dann kommen auch die „natürlichen Links“ von selbst. Und natürlich vor allem die Besucher.

Bild: Ryan J. Lane

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