Wulffs desaströse Kommunikation: die Lehren für Unternehmer

Wulffs KommunikationsdesasterEgal, wie man zum Fall Wulff steht – eines ist wohl unstrittig: das Kommunikationsverhalten des Ex-Bundespräsidenten hat erheblich zu seinen Problemen beigetragen. Viele seiner Verhaltensweisen sind jedoch nicht nur in der Politik weit verbreitet, sondern auch in der Wirtschaft. Auch Geschäftsführer und sonstige Führungskräfte können es schnell mit einer verärgerten Öffentlichkeit zu tun bekommen, wenn sie Wulffs Fehler machen.

Und genau da beginnt schon das Problem: Die Angst vorm Fehlermachen führt dazu, dass viele Führungskräfte in der Öffentlichkeit fast nur noch Belanglosigkeiten von sich geben und sich kaum noch trauen, Meinungen zu äußern.

Dies mag zwar kurzfristig der sicherste Weg sein, sich die größten Schwierigkeiten vom Hals zu halten, aber es funktioniert nicht immer. Und es ist definitiv nicht der geeignete Weg, sich selbst und das Unternehmen im Markt zu positionieren.

Klare Worte schrauben die Sympathiewerte nach oben

Die Beratungsfirma „The 10 Company“ hat zehn bekannte amerikanische Business Blogger gefragt, was Unternehmer in der Kommunikation am häufigsten falsch machen – und zwar in Bezug auf Authentizität. Die Blogger, die in den USA mittlerweile über erheblichen Einfluss verfügen, nannten unter anderem:

  • Mangel an Mut. CEOs lassen sich von ihren PR- und Marketingleuten zu sehr gängeln, was sich schließlich auch in ihren Handlungen niederschlägt.
  • Kommunikation „nach Drehbuch“. Selten gibt es offene Gespräche, bei denen Externe den echten Menschen in der Führungskraft kennenlernen.
  • Unwillen, die Herausforderungen des Unternehmens öffentlich anzuerkennen und zu diskutieren.
  • Fehlende Bereitschaft, die Fehler der Konzerne und die daraus resultierenden Probleme für die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren zuzugeben. Alleine die Aussage, dass sich etwas ändern muss, würde die Blogger schon glücklich machen.

Natürlich ist es nicht leicht – und oft sogar grob fahrlässig – über Probleme des eigenen Unternehmens oder Unzulänglichkeiten der eigenen Branche zu sprechen. Aber es kann genauso gefährlich werden, sich immer nur vor klaren Aussagen zu drücken.

Toleranz für eingestandene Fehler wird unterschätzt

Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat diese Erfahrung gemacht: Probleme zu leugnen und unangenehme Wahrheiten nur scheibchenweise ans Licht zu befördern mag zwar oft als sichererer Weg erscheinen, aber er kann auch zum GAU führen.

Dagegen ist die Bereitschaft der Öffentlichkeit, Fehler zu tolerieren, bei einem ehrlichen Umgang mit ihnen wesentlich größer als die meisten Politiker und Unternehmer glauben. Der Spiegel hat eine Liste von zurückgetretenen Politikern zusammengestellt und analysiert, wer anschließend noch hohes Ansehen genoss und wer mit Schande vom Hof gejagt wurde. Fast immer werden diejenigen, die offen mit Problemen umgehen, am Ende auch weiterhin von der Öffentlichkeit und den Medien respektiert.

Unternehmen und ihre Lenker sollten sich dies zu Herzen nehmen – gerade auch im Anbetracht des Wulff-Rücktritts.

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