Machen Sie diese 12 Fehler in Ihren Pressemitteilungen?

Häufige Fehler beim Versand von PressemitteilungenPressemitteilungen sind grundsätzlich besser als ihr Ruf. Es gibt viele Anlässe, bei denen es sinnvoll ist, Neuigkeiten aus einem Unternehmen oder einer Organisation in schriftlicher Form zu veröffentlichen, auch wenn viele Journalisten demonstrativ die Nase rümpfen und Blogger die Pressemitteilung als Publikationsform für sooo „20. Jahrhundert“ halten. 

Ich selbst nutze Pressemitteilungen von Unternehmen und Organisationen für die verschiedensten Zwecke. Manchmal wird die Weiterverarbeitung der Texte jedoch massiv erschwert, weil die Absender eine Reihe von Grundsätzen nicht beachten. Hier kommt eine kleine, unvollständige Liste von Problemen, die mir immer wieder begegnen:

1. Kopierschutz

Dies ist der Fehler, den ich am wenigsten verstehen kann. Wer eine Pressemitteilung versendet, möchte, dass sie möglichst oft vervielfältigt wird. Dennoch bekomme ich immer wieder Pressemitteilungen in Form von PDF-Dateien mit Kopierschutz, als wenn jemand Angst hat, dass sein Copyright an dem Text verletzt wird. Wenn das Ziel dabei ist, Journalisten die Übernahme von Zitaten oder einzelnen Textpassagen zu erschweren, dann wird es erreicht.

(Ich behaupte übrigens, dass der Kopierschutz in PDFs ohnehin unsinnig ist. Wer die wertvollen Informationen für seine eigenen dunklen Machenschaften klauen will, wird sich nicht übermäßig daran stören, dass er sie abschreiben oder per Texterkennung einlesen muss.)

2. Bilder mitten im Text

Weniger dramatisch, aber auch nervig: Das Einstreuen von Fotos und Grafiken mitten im Text der Pressemitteilung. Das mag optisch ganz nett aussehen, stört aber die Weiterverarbeitung, weil man nach dem Kopieren plötzlich lauter Tabellen, Fotos und Formatierungen im Word-Dokument hat. Das muss alles wieder rausgepult werden. Eine Pressemitteilung ist kein Newsletter.

3. „Originelle“ Schreibweisen von Eigennamen

Die Werbeindustrie hat es mittlerweile geschafft, fast jedem deutschen Unternehmen einen Namen mit wahnsinnig origineller Schreibweise aufzuschwatzen – oft auch noch für jedes einzelne Produkt. Zusätzlich wurde den armen Menschen eingeimpft, jede anderslautende Schreibweise als Verstoß gegen das Markenrecht und die guten Sitten zu betrachten.

Wenn Journalisten den Quatsch konsequent mitmachen würden, wären die Wirtschaftsteile der Zeitungen voll mit ELLENLANGEN NAMEN IN GROßBUCHSTABEN, völlig un:sinni_Gen sonDer:z.e.i.c.h.e.n und überhaupt allen Unsitten, die zu Recht mit der Einführung einheitlicher Rechtschreibregeln verhindert werden sollten.

Lassen Sie es sein! Schreiben Sie Eigennamen so, wie der Duden es vorsieht, und nicht so, wie Ihre Werbeagentur es Ihnen für teures Geld verkauft hat. Das spart uns allen Zeit und Nerven.

4. Produktnamen und Fachausdrücke

Ihre Produkte „HQZ 723“ und „ReadyToGo SoftwareBooster“ mögen ganz tolle Innovationen sein, aber die Leser der Pressemitteilung werden schon abgetörnt, wenn sie diese Produktnamen in der Überschrift lesen. Wenn die Produktnamen dann auch gleich im ersten Satz wieder rausgebrüllt werden, ist der Leser weg.

Erklären Sie erst, wie Sie der Menschheit das Leben leichter machen, und sagen Sie uns dann, falls wir noch Interesse haben, wie der dusselige Produktname lautet, den Ihre Werbeagentur sich ausgedacht hat. Nicht andersrum.

5. Werbeslogans

Ein Klassiker: die Pressemitteilung wird im Stile einer Anzeige verfasst – mit lauter hyperventilierenden Adjektiven und austauschbaren Werbeslogans. Landet meistens sofort im Mülleimer.

6. Blumige Prosa

Dass Pressemitteilungen keine Werbetexte sein sollten, hat sich mittlerweile zum Glück weit herumgesprochen. In der Folge ist ein neues Genre entstanden: die Kreativ-Pressemitteilung, in der PR-Leute ihr Schreibtalent unter Beweis stellen wollen. Ich will nicht ausschließen, dass dies hier und da zum Erfolg führt. Praktisch ist es aber nicht, denn die meisten Nutzer von Pressemitteilungen wollen nur möglichst schnell an die Fakten kommen. Wenn ein Medium blumige Prosa braucht, ist das meist sehr zielgruppenspezifisch und muss von der jeweiligen Redaktion selbst umgesetzt werden.

7. Sinnlose Zitate

Zitate können einen Text beleben. Sie können die Leser aber auch einschläfern. Allzu oft soll der Firmenchef unbedingt ein Statement absondern, um der Pressemitteilung Gewicht zu verleihen, aber er hat keine Zeit und Lust. Deshalb erfindet die PR-Abteilung sein Zitat, obwohl sie vom Thema gar keine Ahnung hat und sich auch nicht traut, etwas Bemerkenswertes zu sagen. Am Ende „begrüßt“ der Vorstand dann irgendwelche Entscheidungen und gibt andere Floskeln von sich, die niemanden im Verständnis des Themas voranbringen. Zeitverschwendung.

8. Personenkult

Ein Klassiker, der im wissenschaftlichen Bereich besonders weit verbreitet ist. Da werden gerne fünf Namen mit zehn akademischen Titeln und fünf Instituten in den ersten Absatz gequetscht, damit alle Absender der Pressemitteilung zufrieden sind. Das Problem: die Empfänger der Mitteilung sind genervt und der Finger bewegt sich reflexartig zur Löschtaste. PR-Leute haben hier die Pflicht, ihren Chefs oder Auftraggebern schonend beizubringen, dass sie ihre Egos in den Hintergrund stellen sollten – im eigenen Interesse.

9. Listen von Ansprechpartnern

Ähnliches gilt für das Ende der Pressemitteilung. Niemand braucht drei Ansprechpartner für die gleichen Auskünfte. Wichtig ist ein sachkundiger Mensch, der zuverlässig ans Telefon geht und E-Mails beantwortet.

Von den Redaktionen sollte der Abdruck von x Kontaktpersonen schon gar nicht verlangt werden. Eine Zeitung ist kein Telefonbuch.

10. Sinnloser Betreff in der E-Mail

Eine Schluderei, die mich immer wieder nervt. Weder im Betreff der E-Mail noch in der Mail selbst gibt es einen Hinweis, worum es in der Pressemitteilung eigentlich geht. „Hiermit senden wir Ihnen unsere Pressemitteilung Nr. 28/2012“ steht dort oft. Man muss den Anhang öffnen, um zu erfahren, dass der Hausmeister nach 40 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet wurde. Die nächste Mail des gleichen Absenders wandert ungeöffnet in den Papierkorb.

11. Pressemitteilung ohne Datum

Dies ist nicht schlimm, wenn die Pressemitteilung als Mail versandt wird. Wenn man sowas aber unter „Presse“ oder „Aktuelles“ auf einer Website vorfindet, ist meistens nicht ersichtlich, ob die Meldung aus dem Jahr 2003 oder 2012 stammt. Die Erfahrung zeigt, dass auch genau dies meist verschleiert werden soll. Klick und weg.

12. Überlänge

Der Sinn einer Pressemitteilung ist es, schnell und übersichtlich auf ein interessantes Thema aufmerksam zu machen. Wer mehr wissen möchte, wird sich melden. Sie können auf Ihrer Website auch weiteres Material zur Verfügung stellen und in der Pressemitteilung darauf hinweisen. Aber spammen Sie die Redaktionen nicht mit drei- oder vierseitigen Pressemitteilungen voll. Sie verschwenden Ihre eigene Zeit und die der Redakteure.

Bonus:

Ich dachte, dieser Fehler wäre ausgestorben, aber er ist mir gerade noch mal begegnet: die Pressemitteilung als Word-Dokument, in dem die Korrekturen noch sichtbar sind. Das ist für Journalisten zwar eher amüsant und aufschlussreich als nervig, kann aber peinlich werden. Dies passiert jedoch nicht, wenn man auf Anhänge verzichtet – was man sowieso tun sollte – und die Pressemitteilung gleich in die Mail schreibt.

Foto: iStock / pixdeluxe

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  1. PR-Beiträge 09/2012: Karriere-Guide & Oster-PR | kommunikationsABC.de - 2. März 2012

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