Bayern München und Honda: gleicher Anfängerfehler am gleichen Tag

Eine der simpelsten Grundregeln des Marketing lautet: Verspreche nichts, wovon Du weißt, dass Du es nicht halten kannst. Jeder, der ein Kind hat, kennt dieses Prinzip. Für alle anderen Menschen ist es nicht schwer zu verstehen.

Gleich zwei große Marken haben gestern jedoch gegen diesen Grundsatz verstoßen und sich damit eine Menge Ärger eingehandelt. Die Motivation war dabei in beiden Fällen gleich: In dem Wahn, unbedingt eine PR- und Social-Media-Welle lostreten zu wollen, wurde zunächst das Blaue vom Himmel herunter versprochen. 

Nachdem die gewünschte Welle tatsächlich ausgelöst war, hieß es dann: „April, April, war nur ein Scherz, um Eure Aufmerksamkeit zu erringen. Lustig, oder? Wenn wir ehrlich gewesen wären, hätte sich leider niemand für das, was wir Euch mitteilen wollen, interessiert.“

Brillante Idee, liebe hochbezahlte Marketing-Strategen!

„FC Bayern verschaukelt seine Fans“

In Deutschland glänzte am Donnerstag zunächst Bayern München mit diesem genialen Schachzug. Zunächst kündigte das Unternehmen auf seiner Website an, dass es in Kürze einen spektakulären Neuzugang für die Offensive bekanntgeben werde. Die Fans spekulierten wild und machten sich Hoffnungen auf Spieler wie Mario Götze, Didier Drogba oder Carlos Tevez.

Die Lösung wurde später auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben: Bayern München hat eine neue Facebook-App.

In ein tieferes Loch kann ein Fußball-Club seine Fans kaum fallen lassen.

„FC Bayern verschaukelt seine Fans“, schrieb daraufhin u.a. der Spiegel, und die Bayern-Anhänger selbst fanden noch deutlichere Worte in vielen Meinungsäußerungen über den „PR-Gag“ ihres Clubs.

Zurück bleibt nicht nur ein grottenschlechter Scherz der Marketingleute, sondern einmal mehr der Eindruck, dass die Führung dieses Fußballunternehmens in seiner Denkweise meilenweit von den größten Fans des Vereins entfernt ist. Irgendwann kann das zum echten Problem werden.

„Wir werden Dich einfach nur hassen, Honda“

Eine andere Social-Media-PR-Welle, die als Gerölllawine zurückkommt und die Urheber unter sich begräbt, hat der Automobilhersteller Honda gestern in den USA losgeschickt. Dort tauchte plötzlich ein kurzes, geheimnisvolles Video auf, das den zahlreichen Fans der 80er-Jahre-Teenie-Komödie „Ferris Bueller’s Day Off“ (deutsch: „Ferris macht blau“) die Hoffnung auf eine Fortsetzung machte – mit Ferris als Erwachsenem, der statt der Schule nun die Arbeit schwänzt:

Die Fan-Gemeinde geriet in Aufregung, der kurze Clip wurde innerhalb eines Tages bei YouTube mehr als 1 Million Mal angesehen – bis durchsickerte, dass damit nur die Aufmerksamkeit auf einen Werbefilm von Honda in der Halbzeit des Football-Endspiels Super Bowl gelenkt werden soll.

Honda mag es für eine prima Idee gehalten haben, auf diese Weise die Aufmerksamkeit von Menschen zu gewinnen, die 25 Jahre nach Erscheinen des Films im besten Autokäufer-Alter sind. Diese Leute sind überwiegend nicht mehr auf den Ferrari aus, der im Film eine Hauptrolle spielt, sondern brauchen eine Familienkutsche. Blöd nur, dass man diese Leute nun gerade vor den Kopf gestoßen hat.

Nebeneffekt: Leute, die den Clip vorfreudig mit verbreitet haben, sind nun stinksauer, dass sie sich für eine schnöde Autowerbung haben einspannen lassen. Der bekannte Blogger Brian Clark schreibt bei Google+: „Wie man sieht haben große Unternehmen schwaches Urteilsvermögen. Man lockt uns nicht mit Ferris und lässt uns glauben, dass eine Fortsetzung kommt. Mit Ferris wird überhaupt nicht gespaßt, Punkt. Wir werden Dich einfach nur hassen, Honda.“

Auf Multiplikatoren wie ihn wird Honda in Zukunft nicht mehr bauen können.

Fazit: Lügen lohnt sich nicht, auch wenn es „nur ein Spaß“ ist

Es ist mir unbegreiflich, warum so viele „Profis“ im Werbe-, PR- und Medienbereich nicht verstehen, dass die Grundregeln des menschlichen Zusammenlebens auch in der Kommunikation mit Kunden gelten.

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