Bestes Redaktionssystem für kleine Unternehmen: WordPress

Kleine Unternehmen, die eine neue oder überarbeitete Website einrichten wollen, sind den IT-Agenturen bei der Auswahl der Technik meist hoffnungslos ausgeliefert. Sie selbst haben keine Ahnung, welche Software für sie die Beste ist – woher auch. Das Problem an dieser Konstellation besteht darin, dass die Interessen der Programmierer und die der späteren Nutzer selten übereinstimmen.

So empfehlen Programmierer häufig mit guten Absichten das Redaktionssystem, das ihnen am besten gefällt – beispielsweise, weil es extrem flexibel ist und es sich leicht in jede mögliche Richtung anpassen lässt. So muss den Kunden auch kein Wunsch hinsichtlich Gestaltung oder Funktionalität ausgeschlagen werden. Das böse Erwachen kommt für die Nutzer später – nämlich dann, wenn sie mit der Bedienung des hochflexiblen, aber ebenso hochkomplexen Systems vollkommen überfordert sind.

Dies ist besonders häufig in kleinen Unternehmen und Organisationen der Fall, weil jemand die Aktualisierung der Website neben seinem eigentlichen, ganz anderen Job erledigen muss. Diese Personen haben oft weder Zeit noch Lust, sich tief in die Eigenheiten eines Redaktionssystems einzuarbeiten. Sie wollen aber auch nicht mit jeder Änderung einen Dienstleister beauftragen.

WordPress vor Drupal, Joomla und Typo3

Die international tätige Agentur Water & Stone untersucht jährlich die weltweit beliebtesten Content-Management-Systeme (CMS). Dabei handelt es sich um Redaktionssysteme, die das Aktualisieren und Überarbeiten der Website-Inhalte erleichtern, weil sie für einfache Änderungen ebenso wenig Programmierkenntnisse erfordern wie beispielsweise das Textverarbeitungsprogramm Word. Die Ende November veröffentlichte Studie „2011 Open Source CMS Market Share Report“ von Water & Stone hat das System WordPress als klaren weltweiten Marktführer unter den Content-Management-Systemen gekürt.

Es löste damit Joomla ab, das vom ersten auf den dritten Rang zurückgefallen ist – noch hinter Drupal. Zusammen bilden diese drei Systeme die internationalen „Big Three“. Das ebenfalls häufig eingesetzte Typo3 landete mit einigem Abstand auf Platz 4. Bei all diesen Redaktionssystemen handelt es sich um Open-Source-Software, also Programme, die in der Grundversion kostenlos verfügbar sind und von Freiwilligen weiterentwickelt werden.

Einfache Bedienung auch für komplette Laien

Laut Water & Stone wird WordPress wöchentlich von Nutzern auf der ganzen Welt rund 650.000 Mal heruntergeladen. WordPress ist vor allem als Blog-System bekannt, weil es ursprünglich so gestartet ist (bei Blogs handelt es sich – kurz zusammengefasst – um Websites, die für die häufige Aktualisierung optimiert sind. Das Wort ist eine Kurzform von „Weblog“ – Internet-Tagebuch). Mittlerweile kann WordPress problemlos für fast jeden erdenklichen Zweck im Internet eingesetzt werden.

Der größte Vorteil, den das System bietet, ist die einfache Bedienbarkeit. Wirklich jeder kann recht schnell lernen, mit WordPress Texte, Fotos oder Videos zu veröffentlichen, neue Rubriken anzulegen oder neue Funktionalitäten hinzuzufügen. Selbst das Design lässt sich leicht ändern, weil viele Vorlagen im Internet kostenlos oder gegen geringe Gebühren zur Verfügung stehen. Sie können mit wenigen Klicks installiert und ausgewechselt werden.

Leichte Einschränkungen bei der Flexibilität

Der Nachteil von WordPress: Den möglichen Design-Änderungen sind Grenzen gesetzt. Nicht alles, was man sich ausdenkt, kann auch umgesetzt werden. Für kleine Unternehmen spielt das allerdings keine Rolle, weil die verfügbaren Möglichkeiten auf jeden Fall bequem ausreichen.

Wesentlich schwerer wiegt dagegen der Nachteil von Systemen wie Joomla und Typo3: Während sich hier das Design fast unbegrenzt gestalten lässt, ist die Bedienung teilweise extrem gewöhnungsbedürftig. Besonders im Fall von Joomla geht ohne intensives Studium von Online-Hilfen und Foren so gut wie gar nichts.

Dadurch wird die Pflege der Website eine sehr zeitaufwändige und oft frustrierende Angelegenheit, selbst wenn man den Umgang mit Redaktionssystemen gewohnt ist. Eine Vielzahl von Menüs und Untermenüs mit verwirrenden Bezeichnungen macht eine intuitive Bedienung praktisch unmöglich.

Markenimage von Joomla sinkt rapide

Kein Wunder also, dass laut Water & Stone – immerhin eine Agentur, die selbst Dienstleistungen rund um Joomla anbietet – das Interesse an diesem System seit 2009 rapide sinkt. Die Agentur warnt, dass es weiter bergab gehen wird, wenn die Probleme nicht behoben werden. In der 2011er-Umfrage sei Joomla beim Markenimage bereits um 11 Plätze gefallen.

Drupal scheint leichter bedienbar zu sein – persönliche Erfahrung habe ich damit nicht. Es ist für kleine Unternehmen aber wohl auch noch überdimensioniert. Typo3 bietet sich fast ausschließlich für umfassende, komplexe Web-Projekte an.

Wer seine Website regelmäßig selbst aktualisieren möchte – und dazu ist dringend geraten, wenn man im Internet Kunden gewinnen möchte – der ist mit WordPress auf jeden Fall gut beraten. Installation, Design und Inhalt können sogar komplett selbst erledigt werden, wenn das Marketing-Budget klein ist.

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3 Responses to Bestes Redaktionssystem für kleine Unternehmen: WordPress

  1. Raphael 5. Juli 2012 at 16:16 #

    Ich benutze auch schon seit Jahren in erster Linie WordPress für meine Projekte und bin damit sehr zufrieden. Die Installation ist wirklich sehr einfach und erklärt sich fast von selber. Momentan bin ich gerade dabei ein Projekt mit Drupal zu starken, einfach um ein zweites System gut bedienen zu können.

  2. Axel Kölling 5. Juli 2012 at 17:01 #

    Ja, das ist sicher sinnvoll, da unterschiedliche Systeme auch unterschiedliche Dinge gut können. Hier und da stößt Worpress eben auch an seine Grenzen. Falls Du Lust hast, berichte hier gerne mal von Deinen Erfahrungen mit Drupal.

  3. Jörn Kaiser 20. Januar 2015 at 06:38 #

    Gerade bei individuellen Anpassungen ist WordPress nicht das Optimum. Hier könnte man auch noch auf andere CMS verweisen, z.B. Redaxo, welches sich gerade für IT-Agenturen eignet weil es sich gut erweitern lässt und eine einfache Struktur besitzt.

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