Wie Social Media den Banken helfen können

Soziale Medien können den Banken helfen.Bis jetzt hatten Bankmanager keinen Grund, sich um ihr Image zu bemühen. Sie waren offenbar der Meinung, dass ihnen nichts passieren kann. Und das zu Recht, denn die Führungskräfte keiner anderen Branche würden ungeschoren davon kommen, wenn sie zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre die Weltwirtschaft an die Wand fahren.

Dennoch wird langsam die Luft dünner. Die „Occupy Wall Street“-Bewegung ist zwar noch ein vergleichsweise laues Lüftchen – was vermutlich daran liegt, dass ein dysfunktionales Finanzsystem wesentlich abstrakter ist als ein schlecht geplanter Hauptbahnhof oder ein undichtes Atommülllager.

Während die Zahl der Protestierer noch überschaubar ist, zieht sich der zugrunde liegende Frust jedoch wahrscheinlich schon durch weitere Kreise der Bevölkerung als bei anderen Themen. Selbst in höchsten Industriekreisen scheint man auf die Banker-Kollegen sauer zu sein, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

„Peanuts“ und „Sekt-Attacken“ prägen das Bild

Bankvorstände und andere Führungskräfte der Branche machen sich in der Öffentlichkeit meist rar. Ihr Image wird daher umso nachhaltiger von Vorfällen beeinflusst, die ein Licht auf ihre Einstellung gegenüber der Gesellschaft zu werfen scheinen: Die „Peanuts“ des Hilmar Kopper, das „Victory“-Zeichen des Josef Ackermann oder die „Sekt-Attacke“ des Wirtschaftssenators und Ex-Bankvorstands Peter Gloystein.

Bis jetzt war das alles kein Problem (außer für Gloystein, der leichtfertig in die Politik gewechselt war und auf einmal für seine Handlungen verantwortlich gemacht wurde). Solange Politiker und hohe Wirtschaftsvertreter die Bankenführer hofierten, brauchten sie sich um ihr öffentliches Image nicht weiter zu sorgen.

Jetzt geht es den Menschen allerdings ans Geld. Steuererhöhungen werden diskutiert, Arbeitsplätze sind wieder einmal in Gefahr, finanzielle Mittel fehlen mehr denn je in der Bildung. Die Fehler der Banker werden für alle spürbar. Und erstmals könnte es ihnen – ein bisschen – unangenehm werden. Ihnen droht neben der ungeliebten Zwangskapitalisierung und den Gehaltsgrenzen möglicherweise auch ein Nachwuchsproblem – denn im Moment ist es wirklich nicht mehr cool, Banker zu werden.

„Normale“ Menschen sind in sozialen Netzwerken

Es wäre also an der Zeit, sich gegenüber der Bevölkerung zu öffnen. Das wäre sicherlich zunächst schmerzhaft, denn jeder Bankmanager, der sich öffentlich präsentiert, wird erst einmal mit geballtem Ärger überhäuft werden. Das ist allerdings etwas, was die Mitglieder der Branche jetzt abkönnen müssen. Es wäre ihnen teilweise erspart geblieben, wenn sie sich früher geöffnet hätten.

Die effektivsten Mittel, die der Finanzbranche dafür zur Verfügung stehen, sind die Social Media: YouTube, Facebook, Twitter, Blogs – also all die Instrumente, die sie bis jetzt wahlweise wie Teufelszeug oder wie Spielwiesen fürs niedere Volk behandelt haben. Genau dort finden sie jetzt die Menschen, die sie von der Rechtschaffenheit ihres Geschäftsgebarens überzeugen müssen. Nicht nur im Kanzleramt und auf dem Golfplatz.

Video-Tagebuch zur Finanzkrise

Die Möglichkeiten der Kommunikation sind in den sozialen Netzwerken fast endlos. Das Interesse dürfte jedenfalls groß sein, wenn Josef Ackermann in einem moderierten Chat Antworten gibt auf die Fragen der Teilnehmer. Oder wenn der Vorstand einer regionalen Bank in einem Blog regelmäßig Stellung zur Finanzkrise nimmt und dort Fragen der Kunden beantwortet. Oder wenn die Führungskräfte einer Bank bei YouTube ein rückblickendes Video-Tagebuch über die Entstehung der Finanzkrise und ihre persönlichen Eindrücke (und Beteiligungen) zum jeweiligen Zeitpunkt veröffentlichen würden.

Voraussetzung ist natürlich immer, dass keine leeren PR-Phrasen gedroschen werden, und dass die Fragen der Öffentlichkeit so gut wie möglich beantwortet werden.

Sicher, es wird nicht immer gut gehen. Wie immer im Leben, wird die eine oder andere Aussage fehlinterpretiert werden. Es wird die berüchtigten „Shitstorms“ geben. Aber insgesamt wird die Öffentlichkeit wohlwollend zur Kenntnis nehmen, dass die Finanzbranche sich auf einmal für ihre Meinung interessiert.

Massenmedien verlieren ihre Rolle bei der Meinungsbildung

Und das sind die wichtigsten Botschaften, die jetzt gesandt werden müssen:

  1. Wir nehmen Euch ernst!
  2. Wir fühlen uns für Euer Geld verantwortlich!

Beide Botschaften lassen sich am besten im Dialog kommunizieren bzw. demonstrieren. Für diesen Zweck sind Social Media mit Abstand die effektivsten Mittel.

Die meisten Wirtschaftsvertreter sind allerdings in der Ära der Massenmedien groß geworden, die gerade rapide dem Ende entgegen geht. Bis vor einigen Jahren konnte man für viel Geld die Aufmerksamkeit der Bevölkerung kaufen, indem man sich dieser Massenmedien bedient hat. Und dann war es eine Einbahnstraßenkommunikation ohne Widerrede.

Diese Ära ist vorbei – selbst die Bild-Zeitung verliert rapide an Auflage. Je schneller die Bankvorstände sich auf neue Kommunikationsformen einstellen, desto schneller werden sie wieder als nützliche Mitglieder der Gesellschaft angesehen, nicht als Schmarotzer.

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