Wie Führungskräfte die Sozialen Netzwerke nutzen

Posted By on 9. Oktober 2011
Rubrik: Praxis-Tipps

Wie Führungskräfte Soziale Medien nutzenWer 1996 mit einem Mobiltelefon am Ohr durch deutsche Straßen lief, wurde schnell als Angeber, Spinner oder Selbstdarsteller abgetan. Ein Mobiltelefon braucht kein Mensch, war die gängige Meinung.

Wer vor zwei Jahren einen Twitter-Account hatte oder ein Blog betrieb, musste sich Ähnliches anhören. Mittlerweile sind  Soziale Netzwerke fast Mainstream, allerdings folgt ihre Verbreitung einem anderen Muster als die der Mobiltelefone: “bottom up” statt “top down”.

Dies dürfte in erster Linie am Preis liegen: Sie sind nämlich komplett kostenlos, wenn man von den Gebühren für einen Internetanschluss absieht. Genau darauf basiert wahrscheinlich auch ein großer Teil ihres Image-Problems: Was nichts kostet, kann ja nichts wert sein. Erst als Facebook, YouTube & Co. als milliardenschwere Unternehmen in den Wirtschaftsseiten der Zeitungen auftauchten, wurde in Deutschland auch ihre Nutzung ernst genommen.

Weiterhin scheuen sich jedoch vor allem Führungskräfte vor dem persönlichen Auftritt in Sozialen Netzwerken. Zum einen fehle dafür die Zeit, glaubt man. Zum anderen haben die traditionellen Medien – insbesondere die Zeitungen – dem gewöhnlichen Internet-User ein Image als Schmuddelfink oder krimineller Hacker verpasst, mit dem man sich ungern auf eine Stufe stellt (wobei diese Darstellung vielfach aus dem Bedürfnis der Redakteure entsteht, die vermeintliche Überlegenheit ihres “Qualitätsmediums” zu betonen).

Bill Gates und Richard Branson ganz vorne dabei

Dass auch Führungskräfte soziale Netzwerke erfolgreich einsetzen können, ist jedoch hinlänglich bewiesen. Am wenigsten Berührungsängste haben – wie immer in solchen Fällen – die Amerikaner: Bill Gates (Microsoft), Michael Dell (Dell) und Jack Welch (ehemals General Electric) gehören zu den regelmäßigen Twitter-Nutzern. Unter den Europäern ist Richard Branson (Virgin) ganz vorne dabei. Er betreibt zusätzlich auch ein Blog.

Gut möglich, dass der eine oder andere Eintrag dieser Herren von einem PR-Mitarbeiter stammt. In der Regel scheinen die Tweets aber authentisch zu sein – beispielsweise wenn Michael Dell zwischendurch ein Familienmitglied grüßt oder Richard Branson für die Rettung von Haien wirbt.

Warum machen die das also? Haben die nichts Besseres zu tun?

“CEOs sitzen die meiste Zeit im Elfenbeinturm”, meint die PR-Expertin Christine Perkett gegenüber dem Branchendienst Ragan.com. Social Media seien für sie “eine enorme Chance zu zeigen, dass sie sich dafür interessieren, was die Kunden denken.”

Wer das arrogante Image eines Josef Ackermann anstrebt, braucht sich darüber natürlich keine Gedanken zu machen. Den Inhabern und Geschäftsführern kleiner Unternehmen steht eine solche Haltung allerdings noch schlechter zu Gesicht als dem Chef der Deutschen Bank.

Der direkte Draht zur Öffentlichkeit hat offensichtliche Vorteile, wenn die Produkte sich an Endkunden richten. Der CEO von Scottevest, Scott Jordan, berichtet beispielsweise, dass seine Twitter-Follower unmittelbar an seinen Produkten interessiert sind. Aber auch im b2b-Bereich ergeben sich Vorteile. Erstens, weil es auch dort Menschen sind, die über den Kauf der Produkte entscheiden – nicht Maschinen. Zweitens sind Journalisten und wichtige Multiplikatoren inzwischen häufig in Sozialen Netzwerken unterwegs und können dort mit Themen und Informationen gefüttert werden.

An Themen mangelt es nicht

Viele Führungskräfte haben zunächst keine Vorstellung, was sie bei Twitter oder in anderen Sozialen Netzwerken überhaupt veröffentlichen können. Ragan.com nennt folgende Beispiele:

  • Einschätzungen zu Branchentrends
  • Kurze Berichte von öffentlichen Auftritten
  • Blicke “hinter die Kulissen” des Unternehmens
  • Ergänzungen zu Medienberichten über das Unternehmen (bzw. Links zu diesen)
  • Bitten um Kundenmeinungen

“Twitter verdient auf jeden Fall ein paar Anteile meiner knappen Zeit”

Rick Segal, President Worldwide der Marketingagentur Gyro, war zunächst sehr skeptisch. Bei einer Konferenz in Berlin stellte er jedoch fest, dass die Teilnehmer Twitter sehr aktiv nutzten, um live über die Veranstaltung zu berichten. Er ließ sich vor seinem eigenen Auftritt ebenfalls einen Account einrichten und hatte am Ende des Tages bereits 100 “Follower” – also Personen, die seine Mitteilungen abonnieren. Mittlerweile sind es weit über 600.

Social Media haben ihm geholfen, seine Ideen weiter zu verbreiten als alle anderen Medien zuvor, berichtet Segal gegenüber Forbes.com. “Twitter verdient auf jeden Fall ein paar Anteile meiner knappen Zeit”, betont er. “Es ist nicht so, als wenn man noch mehr E-Mails bearbeiten müsste. Es gleicht eher einer Hotel-Lobby, durch die man mehrmals am Tag geht, wobei man immer zufällig einige Menschen trifft, denen man gerne begegnen möchte.”

Darüber hinaus sei Twitter eine gute Lernplattform. Dort seien nicht mehr nur geschwätzige Teenager vertreten, sondern auch Harvard-Professoren und wichtige Branchenexperten. “Ignorieren Sie das auf eigene Verantwortung”, sagt er.

Einfacher Zugang zu den Vordenkern

Die Agentur Socialcast hat verschiedene Studien über die Social-Media-Nutzung von Führungskräften zusammengetragen und in einer Infografik verarbeitet (s. links oben, bitte auf das Bild klicken zum Vergrößern). Die Grafik ist schon ein Jahr alt – einige Zahlen werden sich also noch verändert haben (Und die beiden unteren Tortengrafiken auf der linken Seite scheinen vertauscht zu sein).

Am interessantesten sind die “Top 5 Gründe, warum Führungskräfte Online-Netzwerke besuchen” auf der rechten Seite. Unter anderem: Einfacher Zugang zu Vordenkern der Branche und zu wichtigen Informationen sowie der Wunsch nach Feedback.


Wenn Sie den Artikel interessant fanden, abonnieren Sie unsere kostenlosen E-Mail-Updates! (Mehr Infos)


Ähnliche Themen:

Kommentare

Ein Kommentar zu “Wie Führungskräfte die Sozialen Netzwerke nutzen”

  1. There’s definately a great deal to find out about this subject.
    I like all the points you made.

Schreiben Sie einen Kommentar

Praktische PR-Tipps für kleine Firmen

Abonnieren Sie jetzt kostenlos unsere Tipps für Pressearbeit und Kundengewinnung im Internet.
(Mehr Infos)