Beliebte Ausreden der Kommunikationsmuffel

Ohne Kommunikation kann ein Unternehmen nicht überleben. Gute Kommunikation kann dagegen sehr viel zum Geschäftserfolg beitragen. Dennoch herrscht in vielen Unternehmen eine Kultur, die Kommunikationsprojekte eher verhindert als fördert. Woran liegt das?

Meine Theorie: Kommunikation erfordert die Bereitstellung von Ressourcen – Zeit und Geld. Der finanzielle Ertrag ist oft nicht direkt messbar, daher ist es schwer für Mitarbeiter oder Führungskräfte, sich mit den Erfolgen zu schmücken. Im Gegenteil: Wer häufig in der Zeitung oder auf Podien auftaucht, wird gerne als Selbstdarsteller verunglimpft.

Gleichzeitig ist Kommunikation immer mit Unwägbarkeiten verbunden, denn der Verlauf einer Konversation mit der Zielgruppe lässt sich nicht vorausberechnen wie die Statik eines Gebäudes, die Leistung einer Maschine oder die Zinsen für einen Kredit.

All dies sind Gründe für Führungskräfte und ihre Mitarbeiter, sich lieber nicht ins Abenteuer Kommunikation zu stürzen. Die Kombination aus

  1. Unsicherheit wegen fehlendem Know-how,
  2. Angst vor unerwünschten Reaktionen und
  3. mangelnden Anreizen, etwas Neues zu wagen,

paralysiert viele von ihnen. Die ablehnende Haltung lässt sich dann leicht rationalisieren. Rob Biesenbach hat auf Ragan.com sechs beliebte Ausreden zusammengetragen:

„Das muss noch überarbeitet werden“

In einigen Unternehmen versinken Publikationen routinemäßig in endlosen Abstimmungszyklen, die wenig zur Steigerung der Qualität beitragen und aufgrund ihrer Mühsamkeit abschreckend für weitere Projekte wirken. Biesenbach meint, dies sei ein schlechtes Zeichen für die gesamte Unternehmenskultur – denn wenn schon jedes Detail einer Webseite oder Präsentation endlos diskutiert werde, wie sehe es dann bei den wirklich wichtigen Entscheidungen aus? Ich selbst glaube, dass es sich eher um ein Zeichen von Unsicherheit im Umgang mit Kommunikation handelt. Wenige Führungskräfte sind in diesem Bereich ausreichend geschult, daher wird oft versucht, durch besonders gründliches Vorgehen jedes denkbare Problem auszuschließen.

„Unser Rechtsanwalt lässt das nicht durch“

Rechtsanwälte sind in vielen Unternehmen schon fast eine göttliche Instanz: Ihr Urteil wird nicht angezweifelt. Rob Biesenbach dazu: „Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Die Worte eines Rechtsanwalts sind nur eine Meinung. Es kann eine wohlfundierte Meinung sein. Oder nicht. So oder so, es ist die Einschätzung eines einzelnen Rechtsanwalts auf der Basis seiner Interpretation der Fakten und des Gesetzes – und seiner persönlichen Toleranz für Risiko.“

Biesenbach rät dazu, mit den Rechtsanwälten zu verhandeln und gemeinsam mit ihnen die Möglichkeiten stärker abzuklopfen. „Starten Sie aus der Perspektive ‚Was können wir veröffentlichen?‘ und nicht aus der Perspektive ‚Was können wir nicht veröffentlichen?‘. Akzeptieren Sie ‚Kein Kommentar‘ nicht als Option.“

„Man wird Fragen stellen, die wir nicht beantworten können“

… oder noch beliebter aus meiner Erfahrung: „Man könnte uns kritisieren oder uns durch problematische Aussagen in Schwierigkeiten bringen“. Auch diese Ausreden basieren auf Unsicherheit und Unerfahrenheit. Denn die Praxis zeigt, dass auf jede öffentliche Äußerung eine angemessene Reaktion möglich ist – im Zweifelsfall mit: „Das kann ich gerade nicht beantworten, aber ich melde mich so schnell wie möglich zurück“ oder „Diese Aussage wurde gelöscht, weil sie grob gegen die Netiquette verstoßen hat“.

Bis jetzt basiert die Kommunikationskultur der meisten Unternehmen jedoch noch auf dem Weglaufen vor kritischen Stimmen und ungeplanten Situationen. Die Zeiten, in denen diese Strategie sich durchziehen ließ, sind aber mit den Social Media endgültig vorbei. Und Social Media sind nichts, was man verweigern kann, denn die Konversationen finden dort statt – mit oder ohne eigenes Zutun. Was heute Social Media heißt, wird in wenigen Jahren der Standard in den Medien sein (im Internet ist er es jetzt schon). Es führt kein Weg daran vorbei.

„Das ist nichts Neues“

… oder: „Das unterscheidet uns nicht von unseren Wettbewerbern.“ Mag sein, aber kommunizieren die das auch? Es ist selten verkehrt, Vorteile für die Kunden zu kommunizieren, auch wenn sie die gleichen Vorteile bei der Konkurrenz erhalten. Verkehrt ist es nur, wenn man das als Exklusivität verkauft.

Bei Biesenbach heißt dieser Punkt: „Es wurde ihnen schon gesagt“. Seine Antwort bzw. Frage: Wann und von wem? Viele Botschaften müssen mehrfach überbracht werden, auf verschiedenen Kanälen, um im Bewusstsein hängen zu bleiben. Man sollte nicht davon ausgehen, dass die Zielgruppe jedes Wort mit kompletter Aufmerksamkeit aufsaugt, das man von sich gibt. Wiederholung ist manchmal gut und notwendig.

„Wir brauchen noch mehr Informationen“

Dieser Ausrede bin ich persönlich noch nicht begegnet, dafür aber ihren Schwestern „Das kann noch nicht veröffentlicht werden“ und „Wir warten noch auf (den richtigen Moment).“ Alles dies hat sicherlich oft seine Berechtigung, wird aber genauso oft überstrapaziert. Es sind schon viele gute Dokumente unveröffentlicht im Mülleimer gelandet, weil der perfekte Moment nie kam.

„Wir haben keine Zeit“

Dies ist die Mutter aller Ausreden, wie Biesenbach zu Recht feststellt. Wenn jemand keine Zeit für Kommunikation hat, hält er sie nicht für eine Priorität. Biesenbachs Aufforderung: „Nehmen Sie sich Zeit zum Kommunizieren. Und lassen Sie keine Angst, Vermutungen oder Rechtsanwälte dazwischen kommen.“

Ich füge hinzu: Betrachten Sie die Weiterentwicklung Ihrer Kommunikationskompetenz als elementaren Bestandteil der persönlichen Weiterentwicklung als Führungs- oder Fachkraft. Das betrifft nicht nur das allseits beliebte Basteln von Powerpoint-Präsentationen, sondern auch den Umgang mit neuen (und alten) Medien.

, , ,

No comments yet.

Schreibe einen Kommentar

Powered by WordPress. Designed by WooThemes