Mobiles Web auch für kleine Unternehmen bald unverzichtbar

Reifendruck mit dem Handy kontrollieren - Conti will es möglich machen.

Reifendruck mit dem Handy kontrollieren - Conti will es möglich machen.

Man hat es schon 1000 Mal gehört: Mobile Internetangebote werden in Zukunft eine entscheidende Rolle für Public Relations und Marketing spielen. Bis jetzt schien mir dieser Zeitpunkt für kleine Unternehmen noch relativ weit weg zu sein, denn der Aufwand, der mit der Bereitstellung mobiler Lösungen einhergeht, ist erheblich.

Aber nun ist die Zukunft hier. Das wurde mir spätestens beim ConventionCamp 2010 deutlich, das am Mittwoch in Hannover stattfand. Verschiedene Redner zeigten dort den Wachstumsboom der mobilen Internetnutzung auf. Gleichzeitig verdeutlichten sie die unendlichen Möglichkeiten, die für Unternehmen damit verbunden sind – unabhängig von ihrer Größe.

Mehr Smartphones als PCs

Schon 2012 wird rund ein Viertel der Deutschen ein sogenanntes Smartphone besitzen, also ein internet- und softwarefähiges Handy. Davon geht jedenfalls Google Deutschland aus, das in Hannover von Stefan Lein (offizieller Titel: „Industry Head Retail“) vertreten war. Ab dem Jahr 2013 werden laut Prognose der US-Bank Morgan Stanley weltweit mehr Smartphones als PCs verkauft.

Seit Markteinführung des iPhone geht es mit der mobilen Internetnutzung rapide bergauf. Mehr als 70 Millionen iPhones sind bereits verkauft worden und nach Angaben von Stefan Lein surfen 80 Prozent ihrer Besitzer damit täglich im Internet.

War man früher noch davon ausgegangen, dass die kleinen Displays den Spaß am mobilen Web arg beeinträchtigen, so hat sich das inzwischen erledigt. Mehrere 100.000 Zusatzdienste („Apps“) werden mittlerweile für das iPhone und den Konkurrenten Android angeboten.

Schon jetzt Milliarden-Umsätze im mobilen Web

Dieser Boom hat Google-CEO Eric Schmidt veranlasst, für sein Unternehmen die Strategie „mobile first“ auszurufen. Denn auch die Suchmaschine mit den vielen angeschlossenen Diensten will nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, wenn die Mehrzahl der Internetnutzer mobil unterwegs ist.

Diese Gefahr ist allerdings auch eher gering. Rund die Hälfte aller mobilen Surfer starte mit einer Suche, berichtete Stefan Lein beim ConventionCamp. Der m-Commerce (mobile Geschäftsaktivitäten) spiele dabei häufig eine wichtige Rolle. So nutzen laut Lein beispielsweise rund 20 Prozent der Smartphone-Besitzer den mobilen Preisvergleich im Internet.

Amazon mache jährlich bereits 1 Milliarde Dollar Umsatz mit mobilen Bestellungen, berichtete der Google-Repräsentant. Und eBay habe 2009 bereits mobil getätigte Käufe im Wert von 400 Millionen Dollar verzeichnet. Der meiste Umsatz werde dabei zwischen 7 und 9 Uhr morgens generiert – auf dem Weg zur Arbeit.

Google stürzt sich auf den mobilen Markt

Google begegnet dieser Entwicklung mit zahlreichen neuen Angeboten. So wird beispielsweise im Moment die Spracheingabe für Smartphones vorangetrieben. Wer die Hände nicht frei hat, kann seine Suchanfrage einfach aussprechen und sich die Ergebnisse vorlesen lassen.

Dazu passt auch die Entwicklung der „Realtime-Übersetzung“. Wer beispielsweise in Japan Schuhe kaufen geht, soll in Zukunft sein Handy als Dolmetscher für das Gespräch mit dem Verkäufer nutzen können – ebenfalls per Spracheingabe. Stefan Lein zeigte dazu ein durchaus beeindruckendes Beispielvideo von einer Live-Demonstration, das allerdings im Internet noch nicht verfügbar zu sein scheint.

Ebenfalls spektakulär ist das Projekt „Google Goggles“: das Smartphone wird dabei als Auge eingesetzt und Google liefert die gewünschten Hintergrundinformationen. Wer durch eine fremde Stadt läuft, soll beispielsweise ein markantes Gebäude fotografieren können und dann spontan erläutert bekommen, was das ist.

Das gleiche Prinzip funktioniert mit Produkten: Man fotografiert ein Objekt oder eine Verpackung und erfährt via Google, wo man es kaufen kann, wo es am günstigsten ist und – bei Lebensmitteln – wie gesund oder ungesund der Mampf ist.

Smartphone-Anwendungen für Reifenkäufer

Spannende Einblicke in die Unternehmenspraxis gab es beim ConventionCamp wieder von Dirk Rockendorf, der sich beim Reifenanbieter Continental um das Thema e-Business kümmert und bereits im Vorjahr einen interessanten Vortrag zur Social-Media-Strategie des Unternehmens gehalten hatte.

Rockendorf betonte, dass sich die Internetstrategie eines Unternehmens nicht 1 zu 1 von stationären auf mobile Anwendungen übertragen lässt. Dagegen spreche nicht nur das unterschiedliche Display-Format, sondern auch die veränderten Prioritäten der Nutzer.

Während am PC beispielsweise das „Shopping“ und „Banking“ zu den beliebtesten Anwendungen zählen, seien es bei mobilen Endgeräten die Kurzmitteilungen und das „Mapping“ (also alles, was mit Landkarten und Orientierung zu tun hat).

Vor der Heimfahrt die Heizung anstellen

Schon jetzt lasse sich mit dem Smartphone vieles erledigen, so Rockendorf. Am Flughafen einchecken, Wetterbericht abrufen, Taxi bestellen, Parkticket kaufen (in Wien per Handy möglich), Routen planen, Restaurants in der Umgebung suchen… Das alles sei jedoch erst der Anfang.

Laut Rockendorf wird bereits fleißig an komplexeren Anwendungen gefeilt. Ein wichtiger Anwendungsbereich könne künftig die Haustechnik sein: Wer von der Arbeit nach Hause kommt, kann beispielsweise von unterwegs rechtzeitig die Heizung anstellen – oder die Mikrowelle.

Ein anderes Spielfeld sei das Auto. Conti-Mann Rockendorf denkt beispielsweise an eine Anwendung, die jederzeit den Reifendruck im Blick behält. Das lästige Messen an der Tankstelle entfällt – man braucht nur auf sein Smartphone zu schauen.

Am Steuer sitzen und E-Mails abrufen

Aber auch die allgemeine Internetnutzung im Auto ist noch ein brachliegendes Feld. Das liegt einerseits an schlechten Internetverbindungen, andererseits an dem Umstand, dass Web-Surfen beim Autofahren gefährlich ist. Letzteres kann aber beispielsweise durch sprachgesteuerte Anwendungen entschärft werden.

Denkbar ist laut Rockendorf beispielsweise das Abrufen von E-Mails während der Fahrt, die dann vom Telefon vorgelesen werden. Aber auch Diagnose-Apps, die bei Problemen mit dem Fahrzeug weiterhelfen, und Wegweiser zur nächsten Werkstatt sind in Vorbereitung. Aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten hat Conti eine Partnerschaft mit der Telekom gestartet, um gemeinsam mobile Anwendungen zu entwickeln.

Mit Spielen im Gedächtnis bleiben

Continental nutzt das Internet aber auch zum mobilen Marketing und für die Public Relations. Bei der Fußball-WM 2010 bot das Unternehmen ein Tippspiel als iPhone-App an. Zurzeit wird ein neues Spiel entwickelt, bei dem ein Reifen durch einen Parcours gesteuert werden muss. „Man kauft nur alle drei bis vier Jahre neue Reifen“, begründete Rockendorf das Angebot. „Die Apps helfen, dass die Kunden sich in der Zwischenzeit an uns erinnern.“

Spannend sind aber nicht zuletzt auch die Anwendungen im Bereich „Augmented Realtity“, wie sie bereits von Ikea und Praktiker getestet wurden. Vor dem Kauf eines Regals oder Ofens konnten Kunden mit dem Handy die entsprechende Zimmerecke fotografieren und das gewünschte Möbelstück schon einmal virtuell einbauen. So ließ sich vorab ein aussagekräftiger optischer Eindruck gewinnen.

Tipps für den Einstieg

Was können Unternehmen also tun, wenn sie mobile Internetanwendungen für Public Relations nutzen möchten? Stefan Lein von Google nannte einige Grundregeln für den Einstieg:

  • „Be clear“ – Machen Sie sich vorab Gedanken, was Sie erreichen wollen. Leads generieren? Produkte verkaufen? Entwickeln Sie dann eine spezielle Strategie für das mobile Internet.
  • „Be ready“ – Sehen Sie zu, dass Ihre Seite für mobile Endgeräte startklar ist. Auch hier gilt: die Inhalte können nicht einfach 1 zu 1 von der bestehenden Website übernommen werden.
  • „Be found“ – Lassen Sie sich finden, beispielsweise durch Adwords oder Anzeigen. Im Kommen ist auch das Thema „Couponing für iPhones“ – der Nutzer kann dann einen Coupon auf sein Smartphone laden und damit in den Laden gehen, um Vergünstigungen zu bekommen.
  • „Be smart“ – Was sagen die Daten? Sammeln Sie Informationen über das Nutzerverhalten und entwickeln Sie Ihre Kampagne entsprechend weiter.

Für Dirk Rockendorf steht fest: „Die ‚mobile revolution‘ findet bereits statt.“ Sie verändere das Leben und helfe im Alltag. „Aber sie macht uns auch ‚always on‘. Früher waren das nur die Firmenbosse, jetzt ist es jeder. Man muss sich fragen, ob man das will.“

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2 Responses to Mobiles Web auch für kleine Unternehmen bald unverzichtbar

  1. jens 13. November 2010 at 09:32 #

    Ich würde aber noch hinzufügen, dass der Smartphonemarkt noch sehr jung ist auch dort noch vieles in Bewegung ist. Das heißt es ist natürlich immer in Risiko Geld für entsprechende Angebote auszugeben wenn es sich nicht wirklich im hier und jetzt bereits lohnen würde.

  2. Axel Kölling 13. November 2010 at 10:19 #

    Ich denke auch, dass es nicht darum geht, jetzt überstürzt einzusteigen. Wichtig ist aber, die Entwicklungen im Auge zu behalten und sich schon Gedanken zu machen, wie man die neuen Möglichkeiten im eigenen Unternehmen nutzen kann. Wer früh dabei ist, hat größeren Nutzen als die Mitläufer, die zusammen mit der Masse auf den Zug aufspringen.

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