Was Google über die Zukunft des Journalismus sagt

In den USA hat das Zeitungssterben bereits derart viele Opfer gefordert, dass sich der Senat mit möglichen Rettungsmaßnahmen für die Branche befasst. Im Rahmen der entsprechenden Anhörungen zählte die Aussage von Google-Vorstandsmitglied Marissa Mayer zu den am meisten beachteten Beiträgen.

Sie legte dar, welche Chancen das Internet den Medienunternehmen bietet – und wie diese ihre Prozesse verändern müssen, um davon zu profitieren.

Für Unternehmen aller anderen Branchen sind diese Aussagen ebenfalls hochinteressant. Denn einerseits gilt es, sich frühzeitig auf die neue Medienlandschaft einzustellen. Noch wichtiger aber: Durch das Internet wird jedes Unternehmen selbst zu einem Medienanbieter. Die Ratschläge für klassische Verlage können fast 1:1 von jeder anderen Firma übernommen werden, die Öffentlichkeitsarbeit betreibt.

Mehr Nutzen durch neue Google-Funktionen

Zunächst betrieb Marissa Mayer ein wenig Werbung für Googles eigene Angebote. Sie wies darauf hin, dass die Los Angeles Times erfolgreich Google Maps eingesetzt habe, um den Verlauf der Waldbrände in Kalifornien zu dokumentieren.

Life Magazine setzte auf Google Image Search, um Fotos zu veröffentlichen und eine neue Generation von Lesern anzusprechen. Und die NASA nutze Google Sky, um auf ihre Belange aufmerksam zu machen.

Jeder Artikel ist ein eigenes Produkt

Die wichtigsten Hinweise von Mayer betreffen jedoch die Form der Präsentation. Eine Zeitung müsse beispielsweise anfangen, in anderen „Konsumeinheiten“ zu denken. Heute werde immer seltener eine komplette Zeitung gekauft, sondern der Leser gelange über Suchmaschinen oder andere Internetseiten zu einem einzelnen Artikel. Dieser Artikel müsse nun so gestaltet sein, dass er sowohl den regelmäßigen Lesern als auch den Erstbesuchern der Website gerecht werde.

Darüber hinaus müssten dem Leser am Ende des Artikels attraktive Angebote gemacht werden, damit er die Website des (Medien-)Unternehmens nicht wieder verlässt. Vergleichbar mit dem Amazon-Prinzip („Folgende Produkte könnten Sie auch interessieren“) könne der Besucher zu weiteren redaktionellen Inhalten, Foren oder Anzeigen geleitet werden.

Mehr Updates, weniger konkurrierende Texte

Ein weiterer wichtiger Punkt: Statt ständig neue Artikel zum gleichen Thema zu publizieren, sollten bestehende Texte häufiger auf den neuesten Stand gebracht werden.

Die Vorteile: Zum einen ermöglichen regelmäßige Updates den „Printmedien“, wieder schneller zu sein als Radio und Fernsehen. Gleichzeitig wird vermieden, dass mehrere Artikel zum gleichen Thema bei den Suchmaschinen miteinander konkurrieren.

In den Worten von Mayer sollte ein Artikel ein „lebendiges Wesen“ sein, das regelmäßig angepasst wird, aber unter der gleichen Webadresse (URL) abrufbar bleibt. Gleichzeitig sollte umfassend von den Möglichkeiten der Verlinkung Gebrauch gemacht werden, um Hintergrundmaterial zu liefern.

Welche Lehren können Unternehmen daraus ziehen?

  1. Die von Mayer genannten Punkte gelten nicht nur für Tageszeitungen, sondern auch für  alle Unternehmenspublikationen.
  2. Die Internetpräsenzen vieler Unternehmen funktionieren zurzeit häufig nur als Gesamtkonstrukt. Es empfiehlt sich, die einzelnen Seiten stärker als „Konsumeinheiten“ zu betrachten und den Besucher, der nicht über die Startseite kommt, durch attraktive Informations- und Feedback-Angebote zu binden.
  3. Zumindest alle wichtigen Seiten sollten dauerhaft unter einer festen URL zu finden sein und regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden.
  4. Angebote wie Google Maps können auf innovative Weise auch von vielen Unternehmen eingesetzt werden.

Die komplette Aussage von Marissa Mayer können Sie hier als PDF herunterladen.

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